Radeberg
27.07.2021
Pfarrei St. Laurentius
9.00 Uhre heilige Messe
Herr Jürgen Schmidt berichtet über die Entwicklung des katholischen Lebens in Radeberg:
Radeberg, eine Stadt in Sachsen, im Bistum Dresden - Meißen, ist wohl einigen Menschen in Deutschland als „Bierstadt“ bekannt. Die römisch katholische Pfarrkirche, die hier 1883 als eine der ersten nach der Reformation erbaut worden war, steht in unmittelbarer Nähe der Brauerei an der Dresdener Straße. Die Stadt war seinerzeit vom Aufschwung der Industrie geprägt und so kamen Arbeiter aus mehreren deutschen Gegenden hierher, um Arbeit in der Metall- und Glasindustrie, sowie in den Brauereien zu finden. Darunter waren zahlreiche Katholiken. Sie hatten hier aber keine kath. Kirche. Es gab nur die Hofkirche im knapp 20 km entfernten Dresden oder die kath. Kirchen in Pirna oder Bautzen. Man beschloss also, eine eigene Kirche und eine dazugehörige kath. Schule zu bauen. Die Stiftung des Bischofs Laurenz Mauermann half und in kurzer Zeit waren Schule und Kirche erbaut. Wegen des Grundstückes wurde eine Kirche errichtet, die im Untergeschoss die Pfarrwohnung, sowie Versammlungs- und Büroräume hatte.
Tritt man auch heute durch das Portal an der Stirnseite der Kirche ein, so ist der fremde Besucher erstaunt, dass es rechts und links eine etwas geschwungene Treppe nach oben geht, als führten diese auf die Empore. Bei der Renovierung im Jahr 2019 wurde auch ein Fahrstuhl eingebaut, welcher den älteren oder behinderten Gläubigen einen leichteren Aufstieg in „Heiligtum“ ermöglicht. Weil die katholische Schule bereits in der „Hitlerzeit“ ihren Betrieb aufgeben musste und auch zu DDR-Zeiten als allgemeine städtische Bildungseinrichtung genutzt wurde, hatte nach 1990 das Kolping-Bildungswerk Interesse an diesem Haus. Zwar wurde die Schule perfekt restauriert und es kam auch wieder Lehrbetrieb auf, aber leider nur wenige Jahre. Mit der Privatisierung dieses Hauses verlor die Pfarrgemeinde leider ihren Gemeindesaal und so war es erforderlich, einen Neubau neben die Kirche zu setzen.
Bei der Gesamtrenovierung der Kirche wurde im Untergeschoss auch die Pfarrwohnung „entfernt“, sodass der zuständige Priester jetzt in der Stadt wohnt und die Kirche wochentags (außer den Bürozeiten) verschlossen ist. Der Zusammenschluss der Pfarrei Radeberg mit den Nachbargemeinden von Bischofswerda und Kamenz im vergangenen Jahr ist teils dem Priestermangel, aber auch dem Rückgang der Anzahl der Gläubigen geschuldet. Zur Teilpfarrei Radeberg gehören ca. 1200 Katholiken. Aus der Gemeinde gingen mindestens zwei Priester, ein Bischof und eine Ordensfrau hervor. Es waren segensreiche Zeiten nach der Erbauung des Gotteshauses, nach der Ansiedlung zahlreicher Vertriebener 1945 und auch nach der deutschen Wiedervereinigung, als mehrere junge Familie zur Radeberger Pfarrei hinzu kamen.
Gott möge nach der gegenwärtigen Coronapandemie das katholische Leben in Radeberg durch seinen Segen wieder erneuern. Dazu, so hoffen wir, wird auch die Muttergottes ihren Anteil beitragen.
Im Pfarrbrief om 27. Juli 2021 lesen wir:
Die Radeberger Umgebung ist kein Marienland. Nirgends findet man im öffentlichen Raum einen Bildstock mit der Muttergottes oder eine Marienfigur an einem Haus oder am Wegesrand. In unserem neuen kath. Pfarrverbund mit Kamenz, Bischofswerda und Radeberg ist auch keine Pfarrkirche mit dem Patronat Mariens bekannt. Nur die Kapelle in Pulsnitz ist der Muttergottes geweiht. Aus alter, vorreformatorischer Zeit kennen wir in der weiteren Umgebung die Stadtkirchen St. Marien in Kamenz und in Pirna und an der Grenze unseres Pfarrgebietes die Kirchen „Maria am Wasser“ und die kath. Kapelle „Maria am Wege“ in Pillnitz. Ob aus diesen Gründen oder unbewusst dessen, machte sich die Fatima – Pilgermadonna, die durch ganz Deutschland reist, auch am Dienstag, den 27. Juli 2021 auf den Weg zur Wochentagsmesse um 9:00 Uhr in unsere 138 Jahre alte kath. Kirche in Radeberg. Sie stand auf einem kleinen, mit blauem Stoff überzogenen Podest im Altarraum linkes neben dem Ambo. Mit Blumen geschmückt und mit der Krone auf dem Haupt war die etwa einen Meter große Kopie der Originalmadonna von Fatima recht majestätisch anzuschauen. Trotz kurzfristiger Ankündigung waren etwa 15 Gläubige gekommen, doppelt so viele, als sonst am Dienstag früh.
Nach einer kurzen Einleitung durch Pfarrer Eichler feierte die Gemeinde eine
Marienmesse mit alten und neuen Liedern, begleitet durch den Kantor Wolfgang Förster an der Orgel. Nach einem gekürzten Rosenkranzgebet und einigen Fürbitten folgte der Sakramentale Segen. Danach hatten die Gläubigen die Möglichkeit näher an die Pilgermadonna heranzutreten; sie zu betrachten und im Gebet ihren Dank und ihre Bitten vorzutragen. Diese Pilgermadonna ist in unserem Land unterwegs, um den Menschen „Hoffnung zu bringen“, nämlich Jesus Christus, ihren Sohn. So ist es im Fatima-Informationsblatt zu lesen. Gesegnet und zur „Rundreise“ empfohlen wurde sie durch mehrere Päpste, besonders wegen den prophetischen Aussagen in der damaligen Zeit um 1917. Der Betreuerin der wertvollen Statue, Frau Kerstin Schlotter aus Dresden, sei herzlich gedankt dafür, dass sie diese Pilgermadonna nicht nur zu großen Kirchen bringt, sondern auch beispielsweise nach Pulsnitz und Radeberg. Sie sprach auch das Fatima-Familienweihegebet und hatte allerlei Informationsmaterial zum Mitnehmen ausgelegt.
Sachsen braucht den Schutz Mariens. Es ist notwendig, die Verehrung der Gottesmutter zu
intensivieren. Die Weissagungen und Anregungen Mariens bei den Erscheinungen in Fatima sollten uns allen zur Herzensangelegenheit werden. In einigen Gegenden der Lausitz, besonders bei den Sorben, im Wallfahrtsort Rosenthal und um die Klöster Marienestern und Mariental gibt es sichtbares Marienleben. In unmittelbarer Nachbarschaft von Radeberg, in der Dorfkirche von Wallroda steht ein wunderschöner alter holzgeschnitzter Marienaltar als Zeichen der einstigen Marienverehrung in unserer Umgebung. Fatima und Lourdes sind weit weg und für viele Gläubige unerreichbar, aber in unseren Nachbarlandschaften Schlesien und Böhmen sind die Marienwallfahrtsorte wie an einer Rosenkranzkette aufgereiht. Zwischen dem Riesengebirge, dem Schluckenauer Zipfel, dem Erzgebirge und dem Böhmerwald findet man unzählige uralte Wallfahrtsstätten, die in einigen Fällen kaum 100 km von Radeberg entfernt sind. So beispielsweise Haindorf, Philippsdorf, Mariaschein, Maria Ratschitz bei Ossegg und Quinau bei Marienberg im Erzgebirge (siehe dazu auch den Beitrag im Tag des Herrn Nr. 30/2021).
Groß war die Marienverehrung auch hierzulande, als nach dem Krieg 1945 und nach der
Vertreibung unzähliger Menschen, die in Sachsen eine neue Heimat suchten. Maiandachten und Rosenkranzgebete gaben unseren Eltern und auch uns, die wir damals Kinder waren, festen Glauben und Hoffnung. Es wäre schön, wenn die Fatima-Pilgermadonna die Menschen heute zu einer neuen Marienverehrung führen könnte. Dabei sollten auch die in unseren Nachbarländern befindlichen Marienheiligtümer einbezogen und für uns neu erschlossen werden. Wir alle können dafür etwas tun. Neben dem regelmäßigen Rosenkranzgebet und dem „Engel des Herrn“ (zu dem täglich die Glocken unserer Stadt Radeberg läuten), sollte auch das alte Mariengebet gepflegt werden:
„Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir,
o heilige Gottesgebärerin;
verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,
sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren.
O du glorreiche und gebenedeite Jungfrau,
unsere Frau, unsere Mittlerin,
unsere Fürsprecherin.
Versöhne uns mit deinem Sohne,
empfiehl uns deinem Sohne,
stelle uns vor deinem Sohne.“
Jürgen Schmidt, Radeberg, im Juli 2021



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